Thursday, 26 February 2015

selbstannahme



ich bin nicht arrogant
bin nur mir selbst bewusst
dass ich mir selbst
ich selbst sein muss

Monday, 23 February 2015

Flaschenpostpoesie

"Das Gedicht kann, da es ja eine Erscheinungsform der Sprache und damit seinem Wesen nach dialogisch ist, eine Flaschenpost sein, aufgegeben in dem - gewiss nicht immer hoffnungsstarken - Glauben, sie könnte irgendwo und irgendwann an Land gespült werden, an Herzland vielleicht. Gedichte sind auf diese Weise unterwegs: sie halten auf etwas zu. Worauf? Auf etwas Offenstehendes, Besetzbares, auf ein ansprechbares Du vielleicht, auf eine ansprechbare Wirklichkeit. Um solche Wirklichkeiten geht es, so denke ich, dem Gedicht." (Paul Celan)

Saturday, 21 February 2015

tragemeinsam

du trägst das was ich zu tragen
nicht vermag doch irgendwann
wirst auch du beladen fragen
ob ich dir was tragen kann

Sunday, 8 February 2015

ab(ge)tragen

wimpernweise trage ich
aufgestaute bitterkeit
tränenleise herzhin_ab

über feuchten wangenhügeln
hebt sich nach durchweinter nacht
aufstrahlend ein augenpaar

aus augenhöhlenfinsternis
grundgereinigt aufgeklart
neustaunend ins tageslicht

foto. julia dreier | text. simon f. geiger

Monday, 2 February 2015

unendlicht


alltag aufgeschultert
kreuzlast untragbar
menschenkraft endlich
am gipfel geschlagen
durchbohrt doch getragen
von der ohnmacht 
ins licht

Saturday, 24 January 2015

duwendung


blutgefüllte adern bahnen
ihren weg vom kraftpumpzentrum
herzhinaus ins hautverdünnte

sich verästelnd
wärmestrahlend
nähespendend
sich herschenkend

nähren sie
die wurzel hand zu
hand zu
wendung

duhinüber nah und näher
ganz an dich heran an
deinem grunde flüster
kunde herz gesunde

unerträgtmich

sie sagten
ertrage
ich sage
ER trägt

Sunday, 11 January 2015

themba thanda thula

bedeutet in der südafrikanischen Bantusprache Zulu:
Hoffnung (themba), Liebe (thanda) und Friede (thula).
Die drei Begriffe sind mir für mein Leben, über viele
Krisenzeiten hinweg, verlässliche Grundpfeiler geworden.

Das Vertrauen in ein alles umgreifendes und liebevoll
miteinander verbindendes Bewusstsein, in einen Grund,
der alles in sich gütig beherbergt und umfassend hält,
bildet das Fundament, auf dem diese Pfeiler stehen.
Die Hoffnung auf ein, nach und nach aufkeimendes,
friedlich-irdisches Himmelsreich, treibt mich an.

Der Glaube an die Liebe, die den Tod überwinden
und Menschen verbinden, versöhnen und erlösen kann,
trägt mich durch. Der Friede in dieser Welt wird
Wirklichkeit werden, aber nur wenn wir uns und einander
- in Seinem gütigen Blick - mit unserem Gewordensein
und unseren persönlich-dunkelseitigen Verletztheiten,
annehmen, und - ein für alle mal - aussöhnen!

(Simon Felix Geiger, 2015)