Sunday, 17 May 2015

In Hast und Eile

Die Welt rauscht rasend schnell vorbei,
in Saus, Gebraus und eilig schalten,
als ob durch Hast und durch Geschrei,
der Wert des Lebens blieb erhalten.

In wilden Zeiten leben wir,
sind stetig suchend und getrieben
vernetzt mit jedem, überall. Nur das Hier
fällt schwer zu lieben.

Immer schneller rast die Welt,
uns fehlt die Kraft selbst abzuspringen,
ein Dreher dreht, wie’s ihm gefällt,
so wird er uns nie Stille bringen.

Nur wenn wir’s wagen zu entsagen,
weder Plan, noch Netze spinnen,
können wir der Hast entrinnen,
und nach der Lebensfülle fragen.

Der Lebenssamen bleibt verborgen,
unter Last, und unter Sorgen,
bis wir ihn finden, ihn ausgraben
und täglich Freude, an ihm haben.
Simon Felix Geiger

Saturday, 9 May 2015

Sommersturm

ein Sturm fegt durch die Felder
Ähren werden Wälder
Wolken werden Wogen
vom Sog hinab gezogen

Blüten gleiten lose
im Wirbel der Windhose
Pollen bleiben kleben
im lauen Sommerregen

der Wind bewegt die Gersten
die schwerelos zerbersten
Staubfontänen schnellen
empor bis zu den Wellen

die schwellend weiter schwappen
bis Quellen und Kaulquappen
über Au und Wiesen
in der Flut zerfließen

Text. Simon Felix Geiger | Foto. Julia Dreier

Saturday, 25 April 2015

Vundament

das ist ein V wie Vundament
ein V wie Vertrauen - geschenkt
wie Versöhnung wie Verbindung die trägt
wie ein sanftes Versprechen
dir zur Seite gelegt

das ist ein V wie Vundament
auf Vertrauen
ohne Angst aufzuschauen
verwurzelt verankert verbunden versöhnt
durch den Blick Seiner Gnade barmherzig gekrönt

das ist ein V wie Vundament


SigmaVerziert | UnsinniVersum | BallastVerlust 

RundumVerwirklicht

Sunday, 12 April 2015

Dank an das Leben

Erde (von Hedwig Diestel)

Erde, ich spüre dich,
leise berühr' ich dich,
dulde den Menschenfuß,
fühl' meinen Liebesgruß.

Trägst mich mit jedem Schritt,
nimmst meine Last noch mit,
schenkst mir die Heimat hier,
Erde ich danke dir.


Himmel (von mir)

Himmel, ich spüre dich,
leise erfühl' ich dich,
hör meinen Liebesruf,
danke dem der mich schuf.

Stärk meine Zuversicht,
sei meinem Weg ein Licht,
führe mich durch den Tag,
was er auch bringen mag.

Monday, 6 April 2015

Wegweisung

"Dieser Geist ist bei dir nicht der eines Denkers,
er ist der eines Künstlers. Aber er ist Geist, und er ist es, 
der dir den Weg zeigen wird aus dem trüben Wirrwarr der Sinnenwelt, aus dem ewigen Schaukeln zwischen
Lust und Verzweiflung." 

(Hermann Hesse; in: Narziss und Goldmund)

frühblühzeit

zu früh aufblühend gekommen
sehnsüchtig strömend ans licht
aprilstürme wild versponnen
erlaubten es ihnen noch nicht

doch bald schon dürfen sie blühen
in vielfältig bunter pracht
lustvoll zur sonne hin glühen
nach neblig durchhangener nacht

Saturday, 28 March 2015

lastundlust

"Oh, da ist auf diesem schönen holden Gesicht so viel Leid, und zugleich ist alles Leid wie zu lauter Glück und Lächeln geworden. Als ich das sah, fuhr es in mich wie Feuer, alle meine jahrelangen Gedanken und Träume schienen mir bestätigt und waren plötzlich nicht mehr nutzlos, und ich wusste sofort, was ich zu tun und wohin ich zu gehen habe." (Hermann Hesse // Narziss und Goldmund)


besch(n)eiden

askese // von andreas knapp

nur die beschnittene rose
blüht aus gesammelten kräften

nur die gestutzte rebe
wirft alles in die traube

nur der zurückgezweigte ast des ölbaums
trägt satte oliven

nur der im schmerzlichen scheiden
entschiedene weg führt wirklich weiter

du aber willst wild wachsend
in alle richtungen streben

doch nur gebündelt kannst du dich entfalten
und schon im blühen fruchtbar sein

(in: brennender als feuer; echter verlag)