Der gemeinnützige Verein möchte über psychische Erkrankungen aufklären und Vorurteile gegenüber Menschen mit psychischen Gesundheitsproblemen abbauen, denn psychische Gesundheit geht jeden etwas an!
Wer Interesse hat, od. gar selbst Fürsprecher, Mitstreiter und Unterstützer werden möchte, kann sich hier weiter informieren:
Was
bedeutet es für dich, Simon Felix, bipolar zu sein?
Bipolar zu sein bedeutet für mich, den auftretenden Höhen
und Tiefen mit einer offenen Haltung zu begegnen, sie zu bejahen, sie zu
akzeptieren und zu versuchen, diese "Behinderung" in mein momentanes
Leben im Hier und Jetzt zu integrieren. Ich spreche aus Erfahrung, wenn ich
sage: Die Entwicklung unserer Persönlichkeit schreitet nur dann weiter voran,
wenn wir uns mit unserer
"Krankheit" aussöhnen. Es ist hilfreich, bewusst werden zu lassen,
dass die Krankheit nur einen minimalen Bruchteil des eigenen Wesens ausmacht.
Wir als "Erkrankte" sollten uns dagegen wehren, uns von uns selbst
und Anderen als krank und als ver-rückt wahrnehmen zu lassen. Ein solches
Fehlverhalten führt nämlich letztlich nur zu Selbst- und Fremdstigmatisierung! Ich
plädiere dafür, die einmal erfahrene Stigmatisierung bewusst wahrzunehmen, um
sie allmählich in eine saphirblau schillernde StigmaVerzierung zu verwandeln.
Ich fühle mich inzwischen nicht mehr als Verrückter, sondern ich fühle mich
durch die extremen Stimmungshoch- und Tiefphasen innerlich mit einer
unheimlichen Kraft und Reife ausgekleidet, die mich im Leben und in meiner
eigenen Mitte hält. Das mag sich vielleicht seltsam oder gar esoterisch
anhören, aber das hat mit Esoterik nichts zu tun, sondern ist lediglich
gesunder Menschenverstand; Punkt! Diese innere, positiv gestimmte, gar
getrimmte Haltung, die sich so offensiv und ohne Zaudern mit der eigenen
Bipolarität auseinandersetzt, führt unweigerlich dazu, dass sich die
"Erkrankung" nach und nach dem innersten Kern annähert, um sich
letzten Endes mit ihm zu vereinen. Somit ist die Bipolarität etwas, das ich als Teil von mir anerkenne und
zu integrieren versuche, ohne es zu bekämpfen. Denn der Kampf gegen einen
unsichtbaren und unfassbar mächtigen Gegner verschwendet nur eine riesige Menge
an eigenen Energieressourcen. Sich mit seinen kranken Anteilen auszusöhnen,
zahlt sich aus!
Ich
könnte mir vorstellen, dass auch viele andere Betroffene dieses Gefühl des Eins
Werdens, des mit sich ins Reine Kommens, aus Zeiten einer beginnenden
"Manie" kennen. Wenn das Licht nach Tagen, Wochen, Monaten, manchmal
sogar Jahren, wieder hervorbricht und sichtbar wird, und sich der trübe Nebel
der eigenen Bitterkeit in heißen Tränen ergießt. Dann bricht nicht nur ein
neuer Tag an, sondern dann ist auch die Verwandlung die sich im
Nichtsichtbaren, im Schleierhaftverborgenen in uns vollzog, augenblicklich
abgeschlossen.
Beenden
möchte ich meine Ausführungen mit einem Vierzeiler, der genau diese Einstellung
auf den Punkt bringt. Wir dürfen die Krankheit nicht einfach so hinnehmen,
sondern wir müssen sie in uns hineinlassen und erkennen, dass es ein
unheimliches Geschenk ist, da wir dank ihr das volle Spektrum Farben sehen
können - sehen dürfen! Ich bedanke mich für die Möglichkeit meine Gedanken in Gedichtform
auf dieser Plattform mit euch teilen zu dürfen!
Ich will nie in Schlafes Armen darben,
Will das volle Spektrum Farben haben,
Will den Himmel aus den Wolken schütteln
und stets an meinen Grenzen rütteln!
Euer
& Ihr
Simon
Felix Geiger Freiburg, 8. Dezember 2011